Feb 202011
 

In der Goldschmiedewerkstatt von Gudrun Seyfert entsteht so manche Kostbarkeit. Für eine Kartenserie habe ich ihre aktuellen Schöpfungen fotografiert. Gold und Silber auf weißem Hintergrund, ein Strahlen in den Ringen, leichte, helle Schatten, das erfordert viel Helligkeit. Bei soviel Licht gilt es die Haptik des Materials nicht zu verlieren, wovon der erste Teil des Beitrags handelt. Im zweiten Teil geht es darum, die Ringe aus den Aufnahmen freizustellen und mit einem neuen Hintergrund zu versehen. Für die Bildbearbeitung kommt dabei das Open Source Tool GIMP zum Einsatz.

Die Ringe ins rechte Licht rücken.
Eine Helligkeitskurve zeigt sehr schön, wie die Helligkeiten sich im Bild verteilen. Wäre das Bild einheitlich grau, dann gäbe es nur einen senkrechten Strich in der Mitte des Diagramms. Wäre das Bild sehr dunkel, dann lägen die Werte vor allem im linken Bereich. Die Ring-Bilder sind High-key aufgenommen, d.h. dass sich die Helligkeitswerte überwiegend im rechten Bereich des Diagramms befinden.

Obwohl kein Schwarz im Bild vorkommt, ist des dennoch komplett durchgezeichnet. Die feinen Bearbeitungsspuren auf dem Material wirken lebendig, es gibt keine Farbsäume. Die Helligkeit gibt den Ringen eine gewisse Leichtigkeit, was durch die subtilen Schatten noch unterstützt wird. Sehr schön zu sehen ist die kleine Erhebung in der Kurve die den goldenen Bereich im Bild darstellt.

Die Ringe stehen auf einem weißen Chromalux Karton. Damit die Schatten vor den Ringen liegen, sitzt das Hauptlicht hinter der Szene links oben. Geblitzt wird durch einen transparenten Schirm, welcher solange positioniert wird, bis sich ein schöner Winkel aus den Ringen und Schatten ergibt. Es geht darum, die Form der Ringe plastisch herauszuarbeiten. Sitzt das Licht falsch, dann wirkt das Bild sehr flach. Nun kommt das zweite Licht von vorne ins Spiel, um die dunkle Seite der Ringe und die Schatten aufzuhellen. Der vordere Blitz, das Fülllicht, darf allerdings nicht zu stark sein (ca. 1/3 des Hauplichts). Zu hell eingestellt erzeugt es zusätzliche Schatten hinter den Ringen, was einer klaren Bildsprache zuwiderläuft.
Nachdem das Licht positioniert ist, müssen nur noch die Blende und die Belichtungszeit ermittelt werden. Für möglichst viel Schärfentiefe, wird eine hohe Blendenzahl benötigt. Ich entscheide mich für Blende 32 und eine kurze Belichtungseit von 1/180 sec. [100mm|1/180s|f32|iso100], da ich von einer Leiter fotografiere. Der Blitz für das Hauptlicht wird so lange angepasst, bis die Helligkeitsverteilung auf dem Kameramonitor entsprechend dem hier gezeigten Verlauf (High-Key) entspricht. Danach wird schrittweise die Helligkeit des Fülllichts erhöht, bis auch die Vorderseiten der Ringe ausreichend ausgeleuchtet sind. Für besonders weiche Schatten sorgt ein Ring aus transparenter Folie (CreaPop).

Um nicht mit irgendwelchen Leitungen den fragilen Aufbau zu zerstören, wurden die Blitze über Funk ausgelöst. Die Ringe habe ich mit UHU Patafix positioniert (ein Knetgummikleber, welcher sich, je nach Objektgröße als großer Klumpen oder kleiner Krümel, der Objektoberfläche anpasst und provisorisch fixiert). Nach den Aufnahmen lässt sich der Kleber wieder leicht entfernen und hinterlässt dabei keine Rückstände.

Hier geht es zum Artikel Ringe fotografieren Teil 2, bei dem es um die weitere Bearbeitung der Fotos geht.